Rooming-in: Eltern ganz nah beim kranken Kind

Rooming-in: Eltern ganz nah beim kranken Kind

Die achtjährige Fiona muss zur Berechnung der Medikamentengabe immer wieder für längere Zeit in die Klinik. Foto: sg

Schnellere Heilung durch gewohnte Nähe

Wird das Kind krank und muss ins Krankenhaus, ist die Sorge schnell groß. Denn selbst wenn man ganz in der Nähe der Klinik wohnt, können Eltern nicht überall rund um die Uhr im Krankenzimmer des Nachwuchses bleiben. Dabei ist die Nähe von Mama und Papa so wichtig für eine schnelle und erfolgreiche Heilung.

In der Regel sollen Kinderkrankenhäuser Eltern die Möglichkeit bieten, sich im Haus bei ihren Kindern aufzuhalten und dort auch zu schlafen. Bis zum achten Lebensjahr zahlen Krankenkassen sogar den Aufenthalt mit Vollverpflegung. Doch die schöne Theorie ist oft nur schwer umsetzbar. Denn Patientenzimmer sind zu klein und wenn mehrere Kinder in einem Zimmer untergebracht sind, bleibt nur noch wenig Platz für eine Liege, die dazwischen geschoben werden muss. Eine Notlösung, die dennoch allen hilft, denn die Eltern übernehmen in der Klinik wichtige Aufgaben bei der Betreuung ihrer Kinder.

Kleine Patienten brauchen die räumliche Nähe und das Kuscheln mit Mama und Papa, damit die ungewohnte Krankenhausumgebung vertraut wird. Nur so kann ihnen die Angst vor der Krankheit und der oft langwierigen Behandlung genommen werden. Eines dieser Kinder ist Fiona. Die Drittklässlerin brach im Frühsommer plötzlich zusammen und wurde umgehend vom Hausarzt in die Klinik geschickt. Dort bestätigte sich der Verdacht des Ersthelfers: Fiona leidet an Diabetes Typ I, sie stand kurz vor einem lebensgefährlichen hypoglykämischen Schock. In der Klinik muss die passende Medikamentengabe erst berechnet werden - eine wochenlange Anstrengung für ein Kind, wenn es ganz alleine im Krankenhaus bleiben muss.

Die Potsdamer Kinderklinik bietet Eltern seit Ende der 1990er Jahre die Möglichkeit, bei ihren Kindern zu übernachten. Zunächst wurden billige Campingliegen angeschafft, die dann mit der Zeit gegen besser gepolsterte Exemplare ausgetauscht werden konnten, erzählt Oberschwester Heidi Krüger. Seit 40 Jahren ist sie Kinderkrankenschwester in Potsdam, erst am alten Standort "In der Aue" und jetzt schon seit vielen Jahren auf dem Campus des Ernst-von-Bergmann-Klinikums.

"Früher haben die Kinder viel geweint, weil sie lange bleiben mussten und die Schwestern nicht genug Zeit hatten, sich um sie zu kümmern", sagt Krüger und erinnert sich an die Anfänge, als sie mit bis zu 20 Kindern zwischen 0 und einem Jahr alleine auf der Station war. Die Zeiten haben sich geändert und auch der Heilungsprozess ist heute meist kürzer. Dazu trägt auch die Präsenz der Eltern entscheidend bei, bestätigt die Oberschwester.  sg

Neo-Cams bringen Neugeborene im Live-Stream aufs Handy

Neo-Cams bringen Neugeborene im Live-Stream aufs Handy

Auch virtuell ganz nah beim eigenen Baby

Eine kleine Kamera über dem Babybettchen wirkt Wunder. Foto: sg

Sieben bis zehn Prozent aller Kinder werden vor dem errechneten Datum geboren. Bei Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche sprechen Kinderärzte von Frühgeborenen. Zum Teil kommen sie aber auch sehr viel früher zur Welt, weil Gefahr für das Leben des Kindes oder der Mutter besteht. Diese Babys müssen oft monatelang in der Klinik bleiben, bevor sie zu ihrer Familie nach Hause entlassen werden können.

Das Klinikum Westbrandenburg ist eines der wenigen "Perinatalzentren Level 1" in Brandenburg, das heißt, in der Kinderklinik auf dem Campus des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums werden besonders komplizierte Fälle aus weiten Teilen des Landes behandelt. Mütter aus dem gesamten Westen Brandenburgs, aber auch aus dem Südosten Berlins und der Uckermark kommen hierher, wenn ihre Kinder zu früh das Licht der Welt erblicken. Für die Familien bedeutet das oft eine große Anstrengung und eine psychische wie physische Zerreißprobe, denn einerseits wollen und sollen sie möglichst viel Zeit am Bett ihres Kindes verbringen, es stillen oder füttern und mit ihm kuscheln, andererseits entstehen fast immer unüberwindbare logistische Probleme,denn für die Väter geht das Arbeitsleben und die Betreuung älterer Kinder ganz normal weiter.

Für diese Situation gibt es seit einiger Zeit Abhilfe auf der Frühchenstation: Eine sogenannte "Neo-Cam" bringt das Neugeborene virtuell ins eigene Wohnzimmer. Profitieren können nicht nur weit entfernt wohnende Familien, sondern auch Eltern, die zuhause noch weitere Kinder haben und nicht rund um die Uhr in der Klinik bleiben können. Vier solche "NeoCams" sind seit zwei Jahren an den Bettchen der Frühgeborenenstation im Einsatz, nun möchte das Team um Klinikchef Professor Thomas Erler das Angebot auf noch mehr Familien ausweiten.

Über einen mit einem privaten Zugangscode gesicherten Link können dann Eltern, Großeltern und Geschwister das neue Familienmitglied im Live-Stream auf jedem mobilen Endgerät und auf dem heimischen Computer in seinem Bettchen beobachten und sich nah bei ihm fühlen. Und die Eltern können jederzeit "nach dem Rechten sehen" und sind sofort informiert, wenn sich etwas verändert.

Da die Installation des Systems und die Anschaffung der Kameras recht kostenintensiv sind, ist die Klinik auf private Unterstützung durch Spenden bei der Finanzierung weiterer Neo-Cams angewiesen. Wenn auch Sie ein großes Herz für kleine Kinder haben, können Sie das Projekt mit einer Spende an den Freundes- und Förderkreis "ProKinder BB e.V." unterstützen.  sg