„Ein elementares Bedürfnis“

SPZ-Leiterin und Kinderneurologin Dr. Mona Dreesmann über die Musiktherapie

Die Kinderneurologin Dr. Mona Dreesmann leitet das Sozialpädiatrische Zentrum Potsdam seit zehn Jahren. Ihr Team besteht aus rund 30 Mitarbeitern. Foto: Anja Rütenik

Seit zehn Jahren leitet die Kinderneurologin Dr. Mona Dreesmann das Sozialpädiatrische Zentrum Potsdam (SPZ). Über die Chancen der Musiktherapie sprach die 48-Jährige mit dem BlickPunkt.

 

Frau Dr. Dreesmann, Sie und Ihr Team würden gerne Musiktherapie anbieten. Wie kam es dazu?

In anderen SPZ gibt es schon lange musiktherapeutische Angebote. Ich selbst spiele Kontrabass und Querflöte. Und wenn man selber musiziert, weiß man, dass da Phänomene oder Gefühle entstehen, die es nirgendwo sonst gibt. Und das ist etwas, dass für viele unserer Patienten ein ganz tolles Angebot wäre. Wir haben zudem im SPZ eine Kollegin, die Kinder- und Jugendpsychiaterin, Kinderärztin und Musiktherapeutin ist, die hier aber bisher leider nicht musiktherapeutisch arbeiten kann, weil wir keine Musikinstrumente im Haus haben. Dafür einen Grundstock zu legen, ist eine eher teure Investition.

 

Welche Chancen bietet die Musiktherapie?

Es gibt ganz unterschiedliche Fragestellungen für Musiktherapie. Bei Kindern, die nicht gut Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen können, etwa jene mit Autismusspektrumsstörungen, kann man versuchen, mit Musik einen Kontakt herzustellen. Dann gibt es auch Kinder, die schwer bewegungsgestört sind und beispielsweise nur eine Hand bewegen können. Da ist es ein Erfolg, wenn das Kind etwas bewirken kann – dass es etwa auf eine Trommel schlägt und dabei ein Geräusch entsteht. Das sind Dinge, die eine Eigenwahrnehmung erzeugen und womit das Kind sich ausdrücken kann.

 

Wie würde so eine Therapie ablaufen?

Möglich sind sowohl Einzel- als auch Gruppentherapie. Bei einem Kind einer ausgeprägten autistischen Störung wäre es sicher eher eine Einzelsitzung, bei Kindern mit Bewegungsstörungen sind auch kleine Gruppen von zwei, drei oder vier Kindern möglich. Nach einiger Zeit evaluiert man, ob die Musiktherapie den positiven Effekt hat, den wir uns für das Kind wünschen.

 

Welche Instrumente sind geeignet?

Zum einen gibt es die klassischen Begleitinstrumente wie eine Gitarre oder ein elektrisches Klavier, mit denen man die Kinder begleiten oder animieren könnte, zu singen. Und dann gibt es noch ein riesiges Potpourri an Rhythmusinstrumenten, also Trommeln und zum Beispiel Orffsche Instrumente wie Triangeln.

 

Warum möchten Sie um Spenden für die Musiktherapie werben?

Musiktherapie ist derzeit keine klassische Leistung der gesetzlichen Kassen und es gibt nur sehr wenige Akut- und Rehakliniken, in denen Musik- oder Kunsttherapie angeboten wird. Leider kann man sich als Diplom-Musiktherapeut bisher nicht in eigener Praxis niederlassen wie beispielsweise als Physiotherapeut. Dies führt dazu, dass viel zu wenige Patienten von einem musiktherapeutischen Angebot profitieren können.  Wir sehen in der Musiktherapie eine Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten für die bei uns behandelten Kinder und Jugendlichen. Wir erachten Musik als elementares Bedürfnis, welches wichtig ist für eine gelungene körperliche und seelische Entwicklung. Es gibt bereits wissenschaftliche Nachweise, dass Musiktherapie genau dies fördern kann. Musiktherapie kann für Entspannung, aber auch für Aktivierung, zum Abbau von Aggressionen und zur Behandlung emotionaler Auffälligkeiten hilfreich sein.